Schusterkapelle
Die ehemalige Schusterkapelle war im Mittelalter die Kapelle der Rostocker Schuhmacherinnung. Die geschnitzte Holztafel mit dem goldenen Stiefel erinnert heute noch daran. Sie war Teil eines Innungszeichens, das auch die Namen der Innungsältesten trägt, 1721 wurde es renoviert.
Im hölzernen Aufsatz ist das barock gestaltete Wappen der Familie von Clausenheim (Holstein/Mecklenburg) zu sehen. Er gehörte früher zu ihrer Grablege in einer gegenüberliegenden Kapelle.
Einige Kapellen wurden nach der Reformation im 17. und 18. Jahrhundert von den verschiedenen Handwerksinnungen aufgegeben und an Familien als Grabstätten verkauft. Die Schusterkapelle jedoch wurde den Kirchenvorstehern (Kirchengemeinderäte) der Marienkirche übergeben, sie hielten dort ihre Sitzungen ab.
Mehrere Mitglieder des Rostocker Zweigs der Familie Mann waren ehrenamtliche Kirchenvorsteher an Sankt Marien. Das Glasmalereifenster dieser Kapelle stiftete August Friedrich Mann 1896 zum Andenken an seine Vorfahren, die auch Kirchenvorsteher gewesen waren. Es wurde in einer Tiroler Glaswerkstatt in Innsbruck hergestellt. Das Glasfenster ist in Gänze nur vom gegenüberliegenden nördlichen Seitenschiff aus zu sehen; oben sind die die Kirchenväter dargestellt, darunter zwei Wohnhäuser der Familie Mann in Rostock und sechs Portraits von ehemaligen Kirchenvorstehern aus der Familie Mann. Im unteren Teil sind drei Vorfahren des Stifters genannt, die nacheinander von 1764 bis 1871 „dieser Kirche mit vielem Fleisse und Treue vorgestanden haben“.