Der Rochusaltar (um 1530)
Lebensgroße Eichenholz-Figuren in einer dreigeteilten Altarrückwand (Retabel) mit bewegten Gewändern und geheimnisvollen Gegenständen (Attributen): Dominierend in der Mitte der Namensgeber Rochus mit einer Pestbeule am rechten Oberschenkel, auf die ein Engel seine Hand legt. Links daneben Antonius, besonders auffällig ein Schwein und ein Teufel an seinen Füßen, rechts Sebastian von Pfeilen durchbohrt. Ganz oben ein kunstvoll geschnitzter Zieraufsatz (Gesprenge) mit kleineren Frauenfiguren.
Rochus pflegte Pestkranke und infizierte sich dabei. Antonius ist Namensgeber des „Antoniusfeuers“, einer im Mittelalter häufig vorkommenden Vergiftung durch den auf Getreide wachsenden Mutterkornpilz. Auf die damit verbundenen Wahnvorstellungen weist die Teufelsfigur hin.
Vermutlich war das Auftreten einer Pestepidemie 1518 oder einer rätselhaften Seuche, des Englischen Schweißfiebers, 1529 in Rostock der Anlass, dieses Kunstwerk zu stiften. Durch außergewöhnliche Menschen oder wie durch ein Wunder aus bedrohlichen Lebensumständen befreit zu werden, darauf hofften die Menschen, die sich vor diesem Altar versammelten.