Tauffünte
Das Wort Fünte leitet sich vom lateinischen fons (Brunnen, Quelle) ab.
Die Bronzefünte ist 2,95 Meter hoch und hat einen 200 Kilogramm schweren, kegelförmigen Deckel. Sie gilt als größtes spätromanisches Taufbecken im Ostseeraum und ist das älteste Ausstattungsstück der Kirche (1290). Der Deckel schützte das geweihte Taufwasser.
Die vier Tragefiguren mit ihren Wasserkrügen stehen für die vier Paradiesflüsse. Die Inschriften verweisen auf die damals bekannten vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde und symbolisieren Gott als Schöpfer der Welt. Die Reliefs am Taufbecken und die Figuren am Deckel zeigen wichtige Stationen aus dem Leben Jesu. Ganz oben sitzt ein Adler – in der Antike ein Zeichen des Sieges. Hier steht er für die Kraft des Heiligen Geistes und den Sieg des Lebens über den Tod.
Das mit Schriftbändern und Kleeblatt-Bogenarkaden umrahmte gesamte Bildprogramm veranschaulicht die Grundlagen des christlichen Glaubens. So kann die Tauffünte als ein gegossenes Glaubensbekenntnis verstanden werden.
Mit der Taufe bekennen sich Menschen zu diesem Glauben und werden offiziell Teil der christlichen Gemeinschaft.
Auf dem Becken sind mehrfach Figuren mit spitzen Hüten dargestellt, ein im Mittelalter übliches Kennzeichen für jüdische Männer.
Dieses geht auf eine Anordnung von Papst Innozenz III. aus dem Jahr 1215 zurück und diente ausdrücklich der Stigmatisierung jüdischer Menschen. Die bildliche Umsetzung dieser kirchlich verordneten Kennzeichnung ist als antijudaistisches Bildprogramm zu verstehen. Sie steht exemplarisch für die Abwertung des Judentums im mittelalterlichen Christentum; eine Haltung, die auch tiefgreifende gesellschaftliche Konsequenzen hatte. Wir als Kirchengemeinde sehen das Unrecht dieser Darstellungen. Die Botschaft bleibt: Glaube darf nicht zur Ausgrenzung führen.