Christus als Schmerzensmann
Im Mittelpunkt dieses Tafelbildes aus dem 15. Jh. steht Jesus Christus zwischen Kreuzigungstod und Auferstehung. Er blutet aus den Wunden der Hinrichtung, hat aber die Augen geöffnet. Damit steht diese Darstellung in der Tradition der „Erbärmdebilder“ bzw. des Schmerzensmannes. Die Betrachtung dieses Leidens sollte die Frömmigkeit der Glaubenden stärken.
Engel drapieren um Jesus einen kostbaren Umhang, vor dem die Spuren von Folter und Hinrichtung umso drastischer wirken. In seinen Händen hält er ein Buch mit sieben Siegeln, die Bibel. Um seine Gestalt sind Leidenswerkzeuge wie Geißeln und Ruten, die sogenannten Arma Christi, gruppiert. Gerahmt wird diese Darstellung von den großen jüdischen Königen David und Salomon.
Vielleicht war dieses Tafelbild als Sockel (Predella) eines Flügelaltars in Gebrauch. Eine so hochsymbolische Darstellung des Spätmittelalters entsprach nach der Reformation nicht mehr den Frömmigkeitsvorstellungen. Das Tafelbild diente lange als Grundplatte eines barocken Gemäldes. 2003 wurde es bei Bauarbeiten wieder entdeckt und behutsam restauriert.
An der gegenüberliegenden Wand ist eine Darstellung des Abendmahls aus der Zeit nach der Reformation zu sehen. Auch hier ist der ursprüngliche Zusammenhang nicht mehr zu ermitteln.