Gule-Epitaph
Ein Epitaph ist ein kunstvoll gestaltetes Denkmal für Verstorbene. Es wurde meist an Kirchenwänden angebracht und diente dem Totengedenken. Zugleich zeigte es den gesellschaftlichen Rang und den Wohlstand der Stifter.
Der reiche Rostocker Brauherr und Gewandschneider Balthasar Gule stiftete dieses Epitaph für seine 1611 verstorbene Ehefrau Anna Grothe.
Nach seinem Tod 1612 wurde die Inschrift ergänzt. Das Werk aus Sandstein, Marmor und Alabaster entstand in der Rostocker Bildhauerwerkstatt des Roloff Stockmann.
Im unteren Teil befindet sich die Schrifttafel, darüber die betende Familie Gule: der Vater mit seinen drei Söhnen sowie die Mutter mit den beiden Töchtern. Die lebensnah gestalteten Figuren tragen die Kleidung ihrer Zeit. Darüber zeigt ein Relief Gottvater im Strahlenkranz. In Nischen stehen die Tugenden Glaube (Fides) und Hoffnung (Spes). Das Obergeschoss zeigt die Kreuzigung Christi, begleitet von den Tugenden Liebe (Caritas) und Demut (Humilitas). Den Abschluss bildet der auferstandene Christus als Zeichen des Sieges über den Tod.
Die Inschrift erinnert an Anna Grothes Tod im Alter von 31 Jahren nach 15 Ehejahren und fünf Kindern sowie an den Tod ihres Mannes Balthasar im folgenden Jahr. Sie endet mit der Bitte um eine fröhliche Auferstehung durch Christus.
In der Marienkirche befinden sich noch elf weitere Epitaphien aus der Zeit zwischen 1569 bis 1679.