Marienkapelle
Im Mittelalter befand sich hier, am Scheitel des Chores hinter dem Hochaltar, die wichtigste Kapelle der Kirche. Sie war ihrer Patronin Maria geweiht. Hochangesehene Gemeinschaften von Priestern und Laien feierten hier Gottesdienste. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde hier außerdem ein besonderes Stundengebet zu Ehren der Gottesmutter von den Marientiden-Sängern zelebriert.
Eine besondere Anziehungskraft hatte ein Marienbildnis, das um 1400 erstmals erwähnt wurde. Die Holzplastik beeindruckte die Gläubigen, wenn sie mit Hilfe einer Apparatur Tränen weinen konnte. Das Gebet vor dieser Gottesmutter soll Wunder bewirkt haben. Davon zeugten noch bis in das 18. Jahrhundert Dankgaben oder Symbole (wie etwa unnötig gewordene Krückstöcke) der Geheilten.
Im 18. Jahrhundert war dieser Raum eine Grabkapelle. Die Inschrift auf der Schauwand weist auf den 1761 verstorbenen Dr. Carl Ludwig Müller hin.
Heute beherbergt die Kapelle Ausstattungsstücke, deren ursprünglicher Ort sich nicht mehr ermitteln lässt: ein Gitter aus der Zeit der Renaissance mit integrierten Figuren aus einem gotischen Schrein und zwei schwebende Barockengel.